Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Weesow
Vorgeschichte
Bis 1927 gab es in der Gemeinde Weesow eine vom Gemeinderat festgelegte Gruppe „Feuerlöschpflichtiger“. Es existierte eine Handdruckspritze; die Bauern waren nacheinander zum Gespanndienst an der Spritze verpflichtet. Bei Feueralarm hatten sich 8 Gespanne am Dorfteich zu versammeln. Alle anderen Gespanne mussten sich mit gefüllten Fässern an der Brandstelle einfinden. Da nur wenige Schläuche existierten, wurde das Löschwasser per Jauchefass zur Brandstelle transportiert. Die Wasserentnahme erfolgte aus den Jauchefässern oder dem Wasserbehälter der Handdruckspritze, dem Vorläufer eines Tanklöschfahrzeuges.
1924 gab es dann eine Anordnung des Landrates zur Gründung von organisierten
Pflichtfeuerwehren - ein derartiges Gesetz besteht heute noch.
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Weesow
19. April 1924 ( Protokoll des Gemeinderates)
“Vom Landrat wurde die Bildung einer organisierten Pflichtfeuerwehr angeordnet. Die
Gemeindevertretung ist für die Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr (FFw) an Stelle der
Pflichtfeuerwehr. Die Kosten für eine FFw bis zu einer Höchststärke von 20 Mann wurden von der Gemeindevertretung bewilligt in der Annahme, dass der Kreis und die
Feuersozietät hierzu einen Zuschuss geben. “- „Betreffs Kostendeckung der FFw wurde beschlossen, bei der Kreissparkasse nachzusuchen und diese durch Amortisation abzuzahlen.“
15. März 1927 Protokoll des Gemeinderates:
zu Punkt 1
- “ Es wurde beschlossen, die Abnahme der FFw am 27. März 1927 statt finden zu
lassen.
- „Nachmittags Kommerz und Abends Tanz in einem von der FFw zu bestimmenden
„ Lokal “ (in dieser Zeit gab es noch mehrere Lokale in Weesow !)
“Die Kosten für den Kommerz sowie für die Musik sollen durch Sammlungen erhoben werden. Einladungen nach außerhalb ergehen nicht.
Für die späteren Kosten der freiwilligen Wehr soll ein Ortsstatut, ähnlich wie es Willmersdorf hat, erlassen werden.“
Im Vorstand der FFw waren: Robert Wittstock, Gemeindevorsteher
Franz Wittstock Leiter der Feuerwehr
Mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr traten 19 Mann ein. Durch einen Kredit bei der Sparkasse, einen Zuschuss von der Feuersozietät und den Beschluss eines Ortstatutes (Gebührensatzung) am 15. 12. 1927 wurden von den Geldern zusätzliche Geräte und Uniformen angeschafft.
Dies waren: 1 Saugekorb, 1 elektrische Lampe für den Dorfteich
2 rote Leitern a´5 m, 1 Horn für den Nachtwächter.
Im Ortsstatut wurden Abgaben der Landbesitzer zur Finanzierung der Feuerwehr festgelegt.
Von 2,50 M/Jahr bis zu 5,00 M/Jahr bei 50 Morgen Land.
Den Mitgliedern der FFw wurden 5,00 M erlassen.
Für die Ergreifung von Brandstiftern wurden bis max. 500,-- Mark Belohnung durch die
Gemeinde ausgesetzt.
1927: Freiwillige Feuerwehr Weesow vor der Gaststätte in Schönfeld
1939 beschaffte die Gemeinde eine Kleinmotorspritze ( Fördermenge 200-400 l\min).
Der Löschteich neben dem Dorfteich mit 30m³ Inhalt war bis zur Neugestaltung des Dorfteiches 1998 abgedeckt als Zisterne in Betrieb.
1940 - 1945
Während des 2. Weltkrieges wurde die Feuerwehr bei der Brandbekämpfung nach Luftangriffen in Berlin eingesetzt. 1943 wurde dazu eine Feuerlöschgruppe durch Herrn Mührer gegründet, Ausbilder war Willi Nebel.
Dazu gehörten: Erika Gerblinger (Gruppenführer), Brunhilde Nebel, Irene Gladow,
Elsa Hanne ( Stieler ), Inge Rauch, Lisbeth Rachinger, Edith Mührer.
Wiederaufbau der Feuerwehr nach 1945
Die Motorspritze war zerstört und an der Handdruckspritze fehlten die Räder. In der Zeit von 1945 – 1947 fungierten Walther Rauch und der Dorfschmied Max Flügge als Wehrleiter.
1948 sammelten die Bauern Mehl, Kartoffeln und Getreide und tauschten diese gegen eine Motorspritze „Jenter – Beelitz“ ein.
1947 übernahm Kurt Grothe die Wehrleitung, 1952 flüchtete er in die westliche
Besatzungszone. Der Grund - die Feuerwehr hatte nach einer Feier den betrunkenen
Bürgermeister mittels Handwagen und Horn durch das Dorf gezogen und fotografiert. Diese Aktion wurde politisch ausgelegt und sollte streng geahndet werden. 1952 übernahm Gerhard Uhlig die Leitung der Feuerwehr.
Freiwillige Feuerwehr Weesow in den 50ger Jahren Gerhardt Uhlig
1951 trugen die FFw Weesow und Seefeld durch eine Schulübung zur Neugründung der
FFw in Hirschfelde bei.
Am 1. Juni 1952 erhielt die FF Weesow als Zugfahrzeug für den Tragkraftspritzenanhänger
(TSA) einen 6-Zylinder Horch, Baujahr 1928.
Horch mit TSA v.l.n.r.: Heinz Müller, Horst Gladow,?,
Dieter Prieß, Gerhardt Uhlig
1955 betrug die Stärke der Feuerwehr 22 Mann, als Geräte standen die Pferdespritze und sowie der Horch mit TSA\ TS 8 zur Verfügung.
1958 wurden bei den Brandschutzkontrollen in den Haushalten als Hauptmängel „fehlende
Ofenbleche“ und „defekte Schornsteinköpfe„ festgestellt. Diese Mängel sollten noch bis 1989 erhalten bleiben.
In den 50er und 60er Jahren nahmen Kameraden der Feuerwehr Weesow regelmäßig an
Wettkämpfen im Kreis- und auch Bezirksmaßstab teil.
"Grundausbildung der Gruppe" Klaus Erdmann, Reinhardt Tietz
In den 60-er Jahren wurde eine Frauenlöschgruppe gegründet, sie bestand nur aus 5 Damen, die aber kaum an Einsätzen teilnahmen und im vorbeugenden Brandschutz tätig waren.
1960 erhielt die Feuerwehr als neues Transportfahrzeug einen „Phänomen 27“ – auch als „Grüne Minna“ bekannt. Der Phänomen ist heute noch in der FF Schönfeld als Traditionsfahrzeug im Einsatz..
FF Weesow um 1968 AG Junge Brandschutzhelfer 1965
In den 60er Jahren wurde ebenfalls durch Gerhard Uhlig die Arbeitsgemeinschaft „Junge
Brandschutzhelfer“ gegründet. Im Ort gab es eine 3-Klassen-Schule, fast alle Schüler waren in der AG. Nach dem frühzeitigem Tod von Gerhardt Uhlig durch Krankheit übernahm Reinhard Tietz ab 1969 die Wehrleitung.
Die 70-er Jahre
Bei allen Aktivitäten im Ort waren die Kameraden der Feuerwehr mit dabei, wie z.B. Aufbau
eines Dorfclubs im ehem. Hühnerstall, Umbau des Konsums zur Gaststätte mit Saal,
Straßenbau, Reparatur der Zisterne, Reinigung des Dorfteiches.
1970 erhielt die FF Weesow erstmalig ein gebrauchtes Löschfahrzeug nach TGL, einen
LF-LKW - TS 8 – STA. In dieser Zeit war der Kamerad Helmut Romeike sehr aktiv.
Der Schulungsraum und die Fahrzeughalle erhielten eine Heizung, bestehend aus 5
Nachtspeicheröfen. Allerdings hatten das Brettertor, die „Sauerkrautplatten“ an der Decke und die einfachen Fenster so wenig Isolierwirkung, dass selbst im Winter eine TS8 neben dem Ofen einfror.
Durch die Verwendung einer Vielzahl von Kunststoffen in Haushalten musste auch der
Atemschutz in verbessert werden. An Stelle der Schutzmasken mit Schraubfilter wurden in den
70-er Jahren Sauerstoff-Schutz-Geräte (SSG) eingeführt.
Die 80-er Jahre
1983 wurde ein neues Löschfahrzeug LF 8 – TS 8 – STA auf Basis des LO 2002A in Dienst
gestellt, bekannt auch als „LO“. Dieses Fahrzeug hatte einen Benzinverbrauch von ca. 70l auf 100km und war sonst sehr geländegängig. Mit seinen 75 PS bei über 5t Gewicht und 850 kg Schlauchanhänger war es mit 70 km\h kein Rennwagen. Bei Überlandeinsätzen mit
Sondersignal bildeten sich daher lange Schlangen hinter dem Fahrzeug, besonders nach 1990. Dieses Fahrzeug war für eine Löschgruppe 1:8 ausgestattet.
LO2002A mit Schaumbildneranhänger SBA
Personelle Besetzung
Die Stärke der Feuerwehr betrug 1986 laut Statistik 27 Mann, wobei das Personal aus den
Kuhställen von VEG und LPG mit zur „ Tagesbesetzung“ der Feuerwehr gezählt wurde. Viele
dieser Kollegen hatten nie an einer Ausbildung teilgenommen. Eine Übung die tagsüber an der Betriebstankstelle des VEG durchgeführt wurde und niemandem vorher bekannt war, bestätigte dies. Nach 30jähriger Dienstzeit trat Kamerad Reinhard Tietz 1987 aus der Feuerwehr aus.
Die Funktion des Wehrleiters wurde ab 1987 durch Kameraden Reiner Pieper übernommen. Zu dieser Zeit hatte die Feuerwehr 14 echte aktive Mitglieder. Als Stellvertreter KB fungierte bis nach der Wende der Kam. Klaus Dumke. Für die Funktion des Ausbilders EAW fand sich langfristig niemand, “ wegen dem ganzen theoretischem Kram“ wie ein Kamerad mal sagte. So blieb die Ausbildung bis heute beim Wehrleiter mit hängen.
Einsätze bis 1990
Einsätze der Feuerwehr beschränkten sich meist auf Brände in Ställen, Scheunen, Wäldern, an Strohmieten oder mal ein umgefallener Baum. Dafür gab es dann nur eine Schrotsäge und Äxte. Brandstiftungen im Ort gab es selten, meist nur in Scheunen oder Strohmieten durch spielende Kinder.
1990 - die Wende in der Feuerwehr
Das Jahr 1990 brachte auch für die Feuerwehr Weesow die Wende. Aktive Kameraden, wie
Kam. Dumke zogen in die alten Bundesländer. Mitglieder, die nun keine „gesellschaftliche
Arbeit“ mehr nachweisen mussten, traten aus der Feuerwehr aus. Auf Grund vieler Wohnungs- und Arbeitsprobleme blieben bis 1997 von 12 Kameraden nur 5 übrig. Zeitweise bestand die Feuerwehr dann aus 5- 8 Einsatzkräften und der Jugendfeuerwehr. Von den neu zugezogenen Einwohnern fanden nach der Wende nur wenige Bürger den Weg in die Feuerwehr.
Durch die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Feuerwehr konnten die
Kameraden bereits 1992 mit neuer Schutzbekleidung ausgerüstet werden.
Die Jugendfeuerwehr
1996 wurde nach einem Sommerfest eine Jugendfeuerwehr gegründet. Ausgangspunkt war ein Wettkampf „Feuerwehr gegen Dorfjugend in den Disziplinen Fußball und Löschangriff nass“ . Im Jahre 2000 waren es 10 Mitglieder, davon 7 Mädels. Im Jahre 2003 musste die JF mangels Jugendwart und Mitgliedern aufgelöst werden, ein Mitglied wurde in die FF übernommen.
JF Weesow mit TSA in Löhme "Lochsitzer der JF in Löhme"
Einsätze nach 1990
Nach der Wende begannen die Einsatzzahlen schlagartig zu steigen. Neu waren viele
Verkehrsunfälle und Brandstiftungen aus verschiedensten Gründen. Ein Stallbrand in Weesow der an einem Sonntag Nachmittag der durch spielende Kinder entstand konnte ebenfalls in der Entstehung gelöscht werden. 1 Trupp war dazu mit PA und teilweise Sandaletten im Einsatz!
Kurios war der Brand eines VW- Käfers auf der Willmersdorfer Chaussee. Das junge Paar war
recht ratlos als plötzlich ihr Auto brannte. Dass die hintere Sitzbank im Käfer an der darunter liegenden Batterie einen Kurzschluss erzeugen kann falls man darauf zu zweit zu sehr „schaukelt“ wusste das Pärchen nicht.“
Brand der Holzrecyclingmiete bei -20°C in Weesow
1995 Tausch MAN gegen LO2002a
1997 wurde der LO nach Hirschfelde abgegeben. Als Ersatz konnte ein Tanklöschfahrzeug
MAN von der Berliner Feuerwehr mit angeblichem Getriebeschaden erhandelt werden. Dies oblag dem Ortswehrführer, Das Fahrzeug war neu aufgebaut, teilweise bestückt, mit 2.000l Wasser, 500l Schaummittel und hatte eine Nebenschlussanlage zur Schaumerzeugung. Es war für eine Staffelbesetzung 1:5 ausgelegt. Der Mangel am Fahrzeug war der Bruch der
Antriebswelle.
Umbau des Gerätehauses
Das Gerätehaus wurde nach 1945 mehrmals umgebaut.
Umbau in den 50er Jahren zum Gerätehaus Gerätehaus bis 2000
Silvester 2000 fand noch die letzte große Feier im alten Gerätehaus statt. Danach erfolgte der Umbau, der sich dann aber über 2 Jahre hinzog. Die Kameraden organisierten sich in der Zwischenzeit in leeren Garagen im Ort ein provisorisches Gerätehaus, um einsatzbereit zu bleiben. Dazwischen über 400 Stunden allein für die Abrissarbeiten, die von den 12 Kameraden geleistet wurden. Vor dem Umzug wurden von den Kameraden auch alle Malerarbeiten in Eigenleistung erbracht. Erst dann konnte der Umzug erfolgen; Unterstützung von anderen Bürgen aus dem Ort gab es leider wenig. Das Büro der Ortsvorsteherin wurde dagegen auf Amtskosten renoviert. Der versicherte Unfallschutz geht nun mal vor.
Übergabe des Gerätehauses zur 75-Jahrfeier der Feuerwehr Weesow
Die personelle Besetzung der Feuerwehr schwankte auch nach 2002 zwischen 8 und 12 Mann. Der Ausbildungsstand hatte sich spürbar verbessert. Fasst alle Kameraden hatten einen Abschluss als Truppmann oder Truppführer. Zur Landesfeuerwehrschule wollte aber niemand. Die Einsatzzahlen schwankten zwischen 10 und 18 Einsätze im Jahr. Das Spektrum war sehr gemischt. Von der 20km-Ölspur bis Bernau und zurück, Wohnungsbrände, Ödlandbrände, Verkehrsunfälle auch mit tödlichem Ausgang, Hochwasser, Sturm und Brände an Deponien in Bernau trat alles auf. Nebenbei wurde bei einem Spot von SAT 1 im Minicooper mitgemacht oder die Brandwache auf dem Flugplatz beim Film „Die Luftbrücke“ abgesichert.
Dreharbeiten mit dem Minicooper XXL Elbehochwasser 2002
Brand Schuppen Schülke Ausbildung auf den Windkraftanlagen
Die Brandeinsätze nahmen in dieser Zeit zahlenmäßig nicht zu, aber die Größe und Schwere der Ereignisse, wie z. B. die Brände bei der Berec und der GEAB in Bernau.
Brand Bresto 2005 in Bernau Brand GEAB 2006
Da alle Orte Besetzungsprobleme haben, half hier nur die Alarmierung im gesamten Umfeld. Damit gab es nicht mehr „mein Feuer“ sondern es war „unser Feuer“.
Öffentlichkeitsarbeit und sonstige Veranstaltungen
Es gab aber auch viele heitere Seiten in den letzten 20 Jahren in der FF Weesow: So gab es
mehrere Wochenendfahrten in verschiedene Regionen und regelmäßig Maifeuer und Oktoberfeste.
Fasching in Ilmenau Fettexplosion Gut dabei: Ausscheid 2005
Nach Auflösung der Jugendfeuerwehr hatte sich eine „Seniorenlöschgruppe“ gegründet.
"Seniorenlöschgruppe im Einsatz"
Zur Zeit endet diese Chronik im Mai 2007-Weitere Informationen werden folgen...